2016
1797 bis 1820- 23 Jahre bitterer Streit im Dorf
1803:   “Fremde Herren im Land” - Krieg, Not und Elend. Dann werden die Anzeichen kriegerischer Unruhen im Kurfürstentum Hannover immer deutlicher, die europäischen Herrscherhäuser wenden sich gemeinsam gegen das revolutionäre Frankreich. Da das Kurfürstentum Hannover in Personalunion von Georg III., dem König von Großbrittannien und Irland, von London aus regiert wird, gerät es in den Strudel der großen politischen Ereignisse. Durch seine geographische Lage zwischen Preußen und Frankreich ist es von großem militärischen Interesse. Die militärische Kraft von Kurhannover ist begrenzt und so wird es fast unvorbereitet vom Einmarsch der französischen Truppen im Jahre 1803 überrascht. Die eilends aufgestellte hannoversche Armee ist schon nach wenigen Tagen besiegt. Für die kommenden 10 Jahre von 1803 bis 1813 ist das Kurfürstentum Hannover nahezu ununterbrochen unter französischer Besatzung. Im Jahre 1810 wird es mit seinen größten Landesteilen, auch mit dem Herzogtum Verden und Schwalingen, dem neu errichteten Königreich Westfalen zugeschlagen. Aber Ende 1810 wird das Herzogtum Verden schon wieder herausgelöst und unmittelbar dem französischen Kaiserreich eingegliedert, als Kaiser Napoleon I. die Kontinentalsperre gegen den Warenhandel mit dem Königreich England errichtet. Es ist eine Zeit der schwersten Bedrückung und Aussaugung für die Menschen im Kurfürstentum Hannover. Das Land wird von einer französischen Exekutivcommission in Hannover regiert. Die Amtsprache und Währung ist Französisch, die Zuständigkeiten der Obrigkeiten für die Bevölkerung wurden völlig umgegliedert, um gewachsene Beziehungen zu trennen. Die "Commune Neuenkirchen" gehört zum Canton Walsrode. Das alte Recht wird durch den "Code Civil Napoléon" ersetzt: "Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit". Neue Steuern werden eingeführt, um die napoleonischen Kriege zu finanzieren, hannoversche junge Männer werden zum Kriegsdienst in den französischen Armeen eingezogen, Kriegerfuhren, Einquartierung bringen die Dörfer, die Höfe mit ihren Menschen an den Rand des Ruins. In diesen Jahren ruht der Streit in Schwalingen um die Ansetzung der 4 weiteren Neubauern. Es geht um das Überleben und  alle Bewohner des Dorfes rücken in dieser Not eng zusammen. Nach dem verlorenen Feldzug Napoléons nach Russland im Jahre 1812 zeichnet sich das Ende der französischen Herrschaft über nahezu ganz Europa ab. Die französische Besatzungsverwaltung beginnt, das Kurfürstentum zu verlassen. Im "Wiener Kongress" einigen sich die Koalitionspartner im Jahre 1815 gegen das Kaiserreich Frankreich auf die Machtverteilung in Europa nach dem endgültigen Sieg über Kaiser Napoléon. Das Kurfürstentum Hannover wird zum Königreich erhoben. Und nach dem Abzug der französischen Verwaltung übernimmt die alte hannoversche Regierung wieder das Regiment. Die französischen Gesetze und Entscheidungen werden für ungültig erklärt und die alte Ordnung, die Gesetze, die vordem galten, werden wieder in Kraft gesetzt. Schon bald sind die "alten Verhältnisse" im Königreich Hannover wieder hergestellt - und damit kehrt auch der alte Streit wieder nach Schwalingen zurück.
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Aus alten Akten  des Heidesdorfes Schwalingen
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